Sunday Bite

Gedanken zur Fashion Week


Dies ist ein Text über Mode. Oberflächlichkeit. Berlin. Gedanken und Einfälle. Wahllos aneinander gereiht, wie so vieles im Leben, doch vor allem während der Modewochen. Niemand isst und schläft. Man reden nur die ganze Zeit darüber. Man rennt hysterisch herum, probiert dabei zu sein, sieht die so genannten Prominenten, wundert sich, lacht, trinkt, tanzt, fährt von einer Party zur nächsten. Dazwischen Gespräche über belangsloses hohles Zeugs. Tiefsinnigkeit weit gefehlt. Aber wer braucht das schon. Sind wir nicht alle Super-Fashion? Arbeit umsonst steht auf der Tagesordnung. Man muss ja mal starten, das wissen alle.


Jeder ist wichtig, sitzt und betrachtet Models, denen man am liebsten einen Burger in den Mund stecken würde (welch Klischee). Die Mode ist eigentlich Nebensache. Es geht ums Sehen und Gesehen werden. Wer versteht schon wirklich was davon? Die, die in der ersten Reihe sitzen und wichtig die Köpfe zusammenstecken?

Man mag die Kollektionen von Freunden. Es wird nicht kritisiert. Nicht hier. Nicht jetzt. Verkaufen muss es sich. Wie steht's um Ausbeutung, Mindestlöhne, unfaire Arbeitsbedingungen, Kinderarbeit, Chemikalien? Kein Gedanke an Magerwahn, schlechte Vorbilder, Mainstream, Massenware. Hauptsache der Moment ist Magisch. Das Licht geht aus, die Musik beginnt, es geht los. 

Die Szene ist da. Wer ist die Szene? Die aufgespritzten und glatt gebügelten Damen und Herren, die sich in teure Marken hüllen und nur, weil sie es sich leisten können, glauben, etwas von Mode zu verstehen? Die Redakteure der Lifestyle Magazine, die ihren Kunden schön den Mainstream verkaufen wollen? Sag, wer ist sie jetzt?

Es wird weisses Pulver geschnupft, das gehört zum guten Ton. Das muss man fast um dazuzugehören. Doch will man das überhaupt? Braucht man das? Oder trinken. Am Besten schon zum Frühstück der erste Prosecco und dann bis in die Nacht ein Drink nach dem anderen. Wie lustig. Und sind wir nicht alle gut drauf? Geht’s uns nicht allen wunderbar? Ahhh, wie herrlich.

Schlaf wird überbewertet. Während der Fashionweek wird nicht geschlafen. Es gibt ja Kaffee und andere synthetische Muntermacher.

„Oh ich sitzt gerade auf der Fashionweek! Bin ich nicht cool? Bin ich nicht hip? Was tue ich hier eigentlich?!"

x, a.

Kommentare:

Nati hat gesagt…

ohh wow, erfrischend ehrlich! Merci für den guten Beitrag! lg nati

www.fashioncoup.com

http://www.cooloutfit.at hat gesagt…

meiner meinung nach der beste beitrag zur berliner fashion week - ach zum gesamten zirkus überhaupt! danke für diese worte!

Vanessa hat gesagt…

Alles andere als oberflächlich.
Starke Worte. Gelungen.
:)

proletkult hat gesagt…

Kann mich nur anschließen. Vor allem die, die NICHT dabeiwaren, hören diese Meinung sicher gerne! ;-)

anne hat gesagt…

War dabei und empfinde genauso...
http://durchberlin.blogspot.com/
Jetzt sehne ich mich nach frischer Luft, einem Spaziergang mit meinem Hund im Park, einem Abend mit Freunden, einem guten Buch, meiner Badewanne, meinem Bett, etwas zum Denken - eben nach ehrlichen Dingen!

Magda hat gesagt…

Wunderbar

olivia_koehler hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
FASHIONSEMMERL hat gesagt…

Danke Alexandra für diese wirklich ehrlichen Worte, die zwar Gehör finden, aber kein Interesse. Weiter wie bisher. Oberflächlichkeit ist nur sofern schlecht, wenn man nichts anderes mehr kennt.
Lg Bis Gleich :)

Modeltalk hat gesagt…

War auch dort- absolut getroffen Dein Text, aber glaube man darf sich das nicht so zu Herzen nehmen: thats the business und das wars - jeder verkauft sich und in der Fashionszene eben zumeist sehr offensichtlich und mit allen mitteln- vor allem diejenigen die als sogenannte "erfolgreiche" tituliert werden-was wahrscheinlich oft nur mit dem BF-schnee zu tun hat... Unfair, Ausbeutung? Ja..nur.. tatsache ist dass sich anscheinend keiner mehr traut was zu sagen- schon garnicht als goldfischlein im haifischbecken..

lg
viktoria